Griechischer Müll

Donnerstag, den 29. April 2010 um 11:36 Uhr

Griechischer Müll

Was bedeuten und bewirken (!) eigentlich Ratings bei Anleihen?

Früher, als Finanzmärkte noch nicht von Angelsachsen, deren Denkweise und deren Ausdrücken beherrscht waren, gab es das schöne Wort „Bonität". Von lateinisch „bonus" gleich „gut". Ist der, dem ich mein Geld leihe, gut dafür? In kleinem Rahmen, unter Menschen, kann das vielleicht noch persönlich beurteilt werden. Wie ist der Ruf, gibt es gute Erfahrungen? In großem Rahmen, bei Staaten, Institutionen und großen Firmen, die sich am Kapitalmarkt finanzieren wollen, reicht der persönliche Eindruck nicht. Da müssen umfangreiche Informationen gesammelt, ausgewertet und in eine Empfehlung umgesetzt werden. Das geschieht durch (angeblich) unabhängige Agenturen, die von denen, die Anlegergeld einwerben wollen, beauftragt und bezahlt werden. Bekannte Rating-Agenturen sind Standard&Poor´s (S&P), Moody´s und Fitch. Diese bewerten die Bonität von Schuldnern mit Buchstaben-/Zahlencodes, S&P z.B. von AAA (äußerst sicher) bis D (äußerst unsicher).

In welche Ratings kann man guten Gewissens investieren?

Dabei gelten Bonitäten bis etwa zum Mittelfeld, bei S&P bis „BBB-„, als „Investmentgrade"., also als relativ gut. "Solchen Leuten kann man sein Geld geben." Bewertungen darunter, bei S&P ab „BB+",  gelten als spekulativ. Das ist besonders wichtig für Vermögensverwalter und Fondsmanager, die anvertrautes Vermögen konservativ anlegen müssen. Die dürfen nämlich nur in Papiere mit Investmentgrade investieren.

Nähere Informationen finden Sie u.a. unter diesem Link bei Wikipedia.

Jetzt hat S&P das Rating für Griechenland auf BB+ herabgestuft. Damit verlieren griechische Staatsanleihen den „Investmentgrade" und werden als „Junkbonds - Ramschanleihen" bezeichnet. Die Folge: Griechenland muss, um Geld am Kapitalmarkt zu bekommen, einen Risikoaufschlag, also höhere Zinsen bezahlen. Der damit verbundene höhere Zinsaufwand belastet Griechenland noch mehr und beschleunigt so die Abwärtsspirale. Hinzu kommt, dass Vermögensverwalter und Fondsmanager griechische Anleihen wegen des verlorenen Investmentgrade-Status sofort verkaufen müssen. Das wiederum belastet den Kurs.

Stress für den Euro

Um die Situation zu stabilisieren, sollen nun die anderen Euro-Staaten helfen. Die haben aber das dafür benötigte Geld auch nicht übrig, müssen also ebenfalls Anleihen dafür ausgeben. Staaten wie Deutschland bekommen das Geld am Kapitalmarkt aufgrund ihrer guten Bonität billiger. Im Klartext: Deutschland nimmt Kredit auf und reicht ihn an Griechenland weiter. Das belastet die deutsche Bonität und verzerrt die Marktmechanismen.

Hinzu kommt, dass Griechenland nicht das einzige Euro-Land in Schwierigkeiten ist. Aktuell hat S&P Portugal um zwei Stufen auf „A-„ herabgestuft und Spanien um eine Note auf „AA". Das ist zwar in beiden Fällen noch komfortabel „Investmentgrade", der Ausblick wird aber in beiden Fällen negativ bewertet. Es sind also weitere Abwertungen zu befürchten. Zu einer Zeit, da ohnehin nur zwei Euro-Staaten, Finnland und Luxemburg, die Maastrichter Stabilitätskriterien erfüllen, und Staaten wie Irland und Italien ebenfalls am Abgrund stehen, sieht es für den Euro nicht besonders rosig aus. Nun leben wir in der Euro-Zone, können also nicht ohne Euro. Trotzdem sollten wir unsere Kapitalanlagestrategien auf mittlere und längere Sicht sehr sorgfältig abwägen. Schließlich wollen wir ja noch länger als drei Jahre leben, oder?

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