Sicherheit von Bankanlagen
Montag, den 26. September 2011 um 10:41 Uhr
Sicherheit von Bankanlagen
Augenwischerei oder substantielle Sicherheit?
Wenn man sich heute so umliest, erfährt man viel über Sicherheit. Da gibt es Rettungsschirme, Stabilitätsfonds, Sicherungseinrichtungen, Einlagensicherungsfonds .... Für Staaten, für Banken, für Kunden. Na dann ist ja alles klar! Sollte man meinen.Na ja! Zunächst einmal bedeutet das Vorhandensein von Sicherungsmechanismen und - einrichtungen, dass man Angst vor Unsicherheit hat. Und das nicht zu Unrecht. Um diese Betrachtung nicht ausufern zu lassen, ignorieren wir einmal die Bonitätsprobleme von Staaten. Auch die Rettung von Banken steht heute nicht im Mittelpunkt unseres Interesses. Es geht um die Einlagen der Kunden. Die Sicherheit Ihrer Ersparnisse.
Viel versprechende Einlagensicherung
Da gibt es einmal die gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Bank und Kunden. Der Betrag ist EU-weit weitgehend gleich. Die Sicherung bezieht sich natürlich nur auf klassische Einlagen wie Konten, Festgelder und ähnliches. Zertifikate, Genussscheine und ähnliches sind nicht damit gesichert. Dann gibt es bei den privaten Banken die freiwillige Einlagensicherung über den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken. Der liest sich durchaus beeindruckend. Immerhin gilt für jeden einzelnen Kunden damit eine Garantie bis zu 30% des Eigenkapitals der Bank. Bei der Commerzbank, deren Überleben durch den Bund gesichert wurde, sind also fast 7 Milliarden Euro pro Kunde garantiert. Die HypoVereinsbank, die nach Schieflage von der italienischen Unicredit übernommen wurde, ist kommt auf eine ähnliche Summe. Bei der Postbank sind es magere 1,2 Milliarden. Sollte aber knapp reichen.
Gezahlt würde die Garantie durch den Fonds, in den alle beteiligten Banken einzahlen. Über die vorhandenen Mittel im Fonds schweigen sich die Banken aus. Man schätzt, dass etwa 5 Milliarden verfügbar sind. Für alle Mitgliedsbanken zusammen. Weniger als die Garantiesumme für einen einzigen Kunden der Commerzbank. „Macht nichts" - sagt der Verband. „Im Ernstfall legen die Institute nach." Das glaubt der Verband inzwischen selbst nicht mehr. Inzwischen plant der Verband die schrittweise Absenkung der Garantie. 2015 auf 20%, dann 2020 auf 15%, schließlich 2025 auf 8,75% des haftenden Eigenkapitals, also immer noch mindestens 437.500 Euro pro Kunde. Das ist schon realistischer.
Viel heiße Luft
Schauen wir aber einmal, wie es im Ernstfall so laufen könnte. Es gibt ein schönes Beispiel aus der Praxis. Die Wertpapierhandelsunternehmen haben nämlich einen Einlagensicherungsfonds, der ähnlich konstruiert ist, wie der der Banken. Allerdings werden pro Kunden nur 90% von maximal 20.000 Euro Einlage abgesichert. Das ist mickrig gegenüber den Milliardensummen bei den Banken. Aber dennoch - da gab es 2005 einen Entschädigungsfall, der von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) auch ordnungsgemäß festgestellt wurde. Es ging um die Pleite des Phoenix Kapitaldienst (an der Costa Blanca übrigens von Peter Müller/Messerschmidt verkauft). Der Entschädigungssumme von rund 180 Millionen Euro stand allerdings im Fonds nur ein verfügbarer Betrag von 5 Mio. gegenüber. Also ganz einfach, die Mitglieder zahlen ein, oder? Nein - sie prozessieren. Zunächst jammerten sie, dass rund 40% der zahlungspflichtigen Mitglieder durch die Belastung selbst insolvenzgefährdet seien. Dann wandten sie juristische Finessen ein. Seit 2009, vier Jahre später, wurden endlich Entschädigungen ausgezahlt. Bis August 2011 ca. 160 Millionen Euro für rund 34.000 Anleger. Jetzt, sechs Jahre nach der Pleite und Feststellung des Entschädigungsfalles, hat der BGH die Zahlungspflicht für weitere Fälle bestätigt. Die gezahlten Entschädigungen wurden übrigens mit Bundeshilfe weitgehend kreditfinanziert, weil der Fonds und seine Mitglieder das Geld nicht aufbringen konnten.
Wohl gemerkt - hier ging es um eine einzige Pleite und um Entschädigungen von durchschnittlich rund 4.700 Euro pro Anleger, bei einer Obergrenze von 18.000 Euro. Was, wenn noch so ein Brocken schiefgeht?
Zugegeben, der Entschädigungsfonds der Banken ist größer als der der Wertpapierhandelsunternehmen. Dafür haben die Banken aber auch mehr Kunden und versprechen deutlich mehr Entschädigung. Eine richtige Großpleite, die der Staat nicht, wie bei der Commerzbank oder der Hypo Real Estate, abfängt, sollten wir lieber nicht erleben. Ob der Sicherungsfonds das überstehen würde? Ich weiß es nicht. Die Lehman Pleite konnte der Fonds übrigens leicht wegstecken. Da ging es hauptsächlich um Zertifikate und die sind ja ohnehin nicht abgesichert.
Verstehen Sie mich bitte richtig! Ich will keine Unruhe stiften und nichts und niemanden schlechtreden. Allerdings meine ich, dass man in diesem wichtigen Zusammenhang schon etwas hinter die Kulissen schauen sollte. Große Sprüche helfen Ihnen nämlich nicht weiter, wenn der Schaden erst einmal passiert ist. Ich werde in weiteren Beiträgen auf andere Aspekte der Anlagensicherheit eingehen und erläutern, wo ich die optimale Sicherheit sehe.





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