Rat oder Unrat?

Dienstag, den 16. Juni 2009 um 14:00 Uhr

Nichts entschieden, aber doch eine Entscheidung getroffen

Lähmung kann ein Vermögen kosten

Nicht nur Anleger verstehen die Welt nicht mehr. Auch viele Berater sind in der heutigen Situation selbst ratlos. Viele Jahre lang bestand ihre Welt hauptsächlich aus Derivaten und Wetten. Zertifikate, vielfach verschachtelte, immer komplizierter verpackte "strukturierte" Produkte vernebelten den Blick auf grundsätzliche Wahrheiten. Mit der Krise kam die Ernüchterung. Die Kunstwelt vieler Berater, hauptsächlich in Banken, die mit derartigen Produkten groß, größer und immer unüberschaubarer geworden waren, ist zusammengebrochen.

Was erwartet Kunden, die diese ratlosen Berater jetzt um Rat bitten? Rat oder Unrat? Zumindest Unsicherheit, die sich bei vielen Beratern darin ausdrückt, im (Fest-)Geld zu bleiben. Man wisse ja nicht, wie es weiter geht. Das mag kurzfristig ein guter Rat gewesen sein, besser als neuer teurer Unsinn. Langfristig wird diese "Nichtstrategie" ein Vermögen kosten. Letztlich bedeutet die Entscheidung, sich nicht zu entscheiden, ja eine Wette auf die Stabilität des Geldwerts. Wer im vergangenen Jahr sein Geld zu 4 bis 6% geparkt hatte und heute mit einer Wiederanlage liebäugelt, wird von Marktzinsen zwischen 0,5 und 2% im kurzfristigen Bereich nicht begeistert sein. Das allein wäre aber noch nicht so schlimm.

Hoffentlich kommt die Inflation!

Weltweit wird unglaublich viel Geld gedruckt und auf den Markt geworfen. Nur damit kann es nach Überzeugung der Währungshüter und Finanzminister gelingen, Deflation und Zusammenbruch zu verhindern. Derzeit stockt die Verteilung noch. Wenn dieser Knoten erst geplatzt ist, wird, so hoffen die Experten, die Konjunktur anspringen und die tödliche Lähmung überwunden sein. Dann werden die Preise steigen, also das Geld an Wert verlieren. Vorsichtig geschätzt, 5 bis 10% jährlich. Eine Vermögensschrumpfung auf die Hälfte innerhalb von 5 Jahren ist absolut realistisch! Hinzu kommen die Kursverluste! Warum? Wer heute mit den mickrigen kurzfristigen Zinsen nicht zufrieden ist, könnte sich ja längerfristig mit rund 3,5% anfreunden. Kilngt schon besser, oder? Nur, dass man das dann auf 10 Jahre festgemauert hat! Steigen während der Laufzeit die Zinsen (zur Inflationsbekämpfung unvermeidlich!), dann sinken die Kurse. Das kann, je nach Zinsanstieg und Restlaufzeit, durchaus über 10 % ausmachen. Oder man behält die Anlage bis zur Fälligkeit und gibt sich mit Zinsen unterhalb der Inflationsrate zufrieden. Näheres können Sie in unserem "aktuell" Nr 19 dazu lesen.

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