Ein peinlicher "Fachartikel"

Dienstag, den 29. Dezember 2009 um 11:12 Uhr

„Goldene saure Gurke-Award" für Gertrud Hussla

Peinliche Fehlleistung einer Handelsblatt Journalistin

Unter dem reißerischen Titel „Volle Fahrt in Richtung Totalverlust" wurde Anlegern so richtig Angst gemacht. „Der Schaden werde höher sein als jener, den Lehman Zertifikate angerichtet haben ..." „Drama, pleite, düster" sind die Vokabeln, die den Artikel prägen. In guter Boulevardblatt-Manier werden Opfer vorgestellt. Ahnungslose Menschen, die gutgläubig investiert hatten und nun vor dem Verlust ihrer Einlagen stehen. Angeblich.

Nun wird niemand bestreiten, dass die Seefahrt derzeit schwere Zeiten durchlebt. Die Finanzkrise, verursacht durch verantwortungslose Bankmanager und ahnungslose Aufsichtsbehörden, hat eine weltweite Wirtschaftskrise ausgelöst. Jahrzehntelange Erfahrungswerte, die soliden Kalkulationen zu Grunde lagen, stimmen nicht mehr. Reeder müssen die Finanzierung ihrer Schiffe sicherstellen und die Zahlungsfähigkeit der Gesellschaften erhalten. Das ist nicht einfach. Gerade auch in Verhandlungen mit genau den Banken, die die Krise mit ausgelöst hatten. Wenn die Im- und Exporte, die die Geschäftsgrundlage ihrer Kunden sind, nicht mehr wie gewohnt finanziert werden, wird weniger transportiert. Jahrzehnte lang wuchsen Transportvolumen und Flotte annähernd parallel. Ein Schiffsneubau braucht etwa 3 Jahre von der Bestellung bis zur Auslieferung. Das kann man nicht einfach stoppen, wenn das Transportvolumen einbricht. Da kam und kommt es auch zu nachhaltigen Problemen bis hin zu Insolvenzen. Schwierige Zeiten!

Wenig hilfreich ist es da, wenn vermeintlich seriöse Journalisten, die vor der Finanzkrise herzlich wenig zu den ursächlichen Missständen im Finanzwesen gesagt hatten, nun Panik bei Schiffsinvestoren schüren. Der Artikel strotzt vor handwerklichen Fehlern, derer sich eine gestandene Journalistin schämen sollte. So wird die Krise, die die Containerschifffahrt am härtesten trifft, ganz locker sogar auf Kreuzfahrtschiffe, also Tourismus, übertragen. Das ist in etwa so vergleichbar wie ein Ferienhotel in der Karibik und ein Stahlwerk in China. Die „Katastrophe" beim zitierten Kreuzfahrtfonds? Statt geplanter 9% werden für 2009 nur 7% ausgeschüttet. Diese Abweichung wird im Artikel als Kapitalverlust, sogar „Totalverlust" suggeriert. Als zweiter „Horrorfonds" wird ein Tankerfonds herangezogen. Hier gab es bis Ende 2008 überplanmäßige Ergebnisse und einen Marktrückgang in 2009, der dazu führt, dass geplante Ausschüttungen möglicherweise reduziert werden oder entfallen müssen. Von einer Schieflage ist nicht die Rede. Zudem werden die Anleger im konkreten Beispiel als offenbar nicht geschäftsfähig dargestellt. 2007 und 2008 investierten sie insgesamt 40.000 Euro in die zwei Fonds. Zitat 2009: „Die Wachsmanns haben ihr Geld in einen Tanker und ein Kreuzfahrtschiff gesteckt. Das immerhin wissen sie nun." Vorher etwa nicht? Also bitte! Wir haben zwar ebenfalls unsere Zweifel an der Beratungskompetenz von Postbankberatern zu geschlossenen Fonds. Aber die Unterstellung, man hätte die Anleger über die Beteiligungsgegenstände im Unklaren gelassen, geht zu weit. Immerhin haben die Anleger den Empfang der Verkaufsprospekte bei Investition quittiert.

Es hätte aussagefähigere Beispiele für Probleme in der Schifffahrt und bei Schiffsfonds gegeben. Auch einige (bisher) wenige Insolvenzen hat es gegeben. Traurig genug. Auch über das bisher sehr erfolgreiche Krisenmanagement der Emissionshäuser und Reedereien hätte berichtet werden können. Darüber, dass die Zahl der „Auflieger" (beschäftigungslose Schiffe) zurückgeht und die Charterraten leicht anziehen. Das aber hätte Arbeit und Kompetenz erfordert. Diese Ressourcen waren bei Frau Hussla offenbar gerade nicht verfügbar. Kein Ruhmesblatt für das Handelsblatt!

Zitat Fondsmedia:
Der Artikel verdient aufgrund seiner inhaltlichen Negativsubstanz, gespickt mit sachlicher Unkenntnis und mangelnder Recherche, kombiniert mit mathematischen Albernheiten sowie den daraus resultierenden Lesermanipulationen mühelos den

„Goldene saure Gurke-Award"
für maximale Uninformiertheit über die Anlageklasse Schiffsfonds 2009

Den Artikel von Gertrud Hussla finden Sie hier.
Die Preisverleihung von Fondsmedia mit umfangreichen Fakten finden Sie hier.

Sie können beide Dokumente auch direkt bei uns anfordern.

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